Milchsäurekur: KadeFungin, Vagiflor, Lactofem oder Vagisan?

Milchsäurekur: KadeFungin, Vagiflor, Lactofem oder Vagisan?
Was bedeutet es, eine Milchsäurekur zu machen? (Quelle: Couleur - pixabay.com)
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Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2021

Durch ein Ungleichgewicht der Vaginalflora kann es leichter zu Scheidenpilz, einer bakteriellen Vaginose oder einer Infektion der unteren Harnwege kommen.

Normalerweise ist der ph-Wert der Vagina im sauren Bereich zwischen 3,8 und 4,5. Wenn dieser jedoch steigt, ist die Scheide nicht mehr zureichend vor Krankheitserregern geschützt und kann angegriffen werden.

Eine Milchsäurekur kann den pH-Wert ins saure Milieu bringen.

Doch welche Präparate sind für eine Milchsäurekur geeignet? Wie wird eine Kur richtig angewendet und was muss sonst noch beachtet werden?

Das und weitere Informationen erfahrt Ihr in diesem Beitrag!

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Die bereitgestellten Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung und Behandlung durch einen Arzt und dürfen nicht zur eigenen Diagnose verwendet werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Inhaltsverzeichnis

Milchsäurekur: Was ist das?

Milchkur Übersicht der Produkte

Eine Milchsäurekur ist die Behandlung der Vagina mit Milchsäurebakterien. Diese guten Bakterien können in Form von Gel, Tabletten, Zäpfchen oder Kapseln in die Scheide eingeführt werden und dort ihre Wirkung entfalten.

Das Ziel einer Kur mit Lactobazillen ist, den erhöhten pH-Wert der Scheide zu stabilisieren und auf einen Wert unter 4,5 zu bringen. So ist die Vagina optimal vor Krankheitserregern geschützt.

Alle Milchsäurekuren können rezeptfrei in Apotheken oder Online-Apotheken erworben werden. Das bedeutet, dass für den Kauf kein extra Rezept vom Arzt nötig ist.

Vergleich der Milchsäurekuren: Wie wirken sie?

Es gibt verschiedene Milchsäurekur-Produkte auf dem Markt. Ich habe Euch vier Präparate herausgesucht und unter die Lupe genommen.

Kadefungin Milchsäurekur Gel

Beschreibung: 7 hygienisch verpackte Einmal-Applikatoren mit je 2,5 g Milchsäuregel. Frei von Duft- und Farbstoffen.

Anwendung: Einmal-Applikator mehrmals nach unten ausschlagen, damit sich das Gel an die Applikatorspitze sammelt.

Danach Verschlusskappe abdrehen, ohne sie vorher zu knicken oder zu drehen. Zum leichteren Einführen eine kleine Menge Gel herausdrücken und auf der Applikatorspitze verteilen.

Anschließend Applikator in die Scheide einführen. Gelreservoir wird durch Drücken und gleichzeitiges Herausziehen des Applikators gleichmäßig in der Scheide appliziert.

Inhaltsstoffe: (S)-Milchsäure

Vorteilszeichen: Haken

Muss nicht im Kühlschrank gelagert werden

Vorteilszeichen: Haken

Frei von Duft- und Farbstoffen

Lactofem Vaginalgel

Beschreibung: 7 Einwegtuben zu 5 ml Vaginalgel. Das enthaltene Glycogen dient als Nährstoff für die Laktobazillen. Frei von Hormonen, Farb- und Duftstoffen.

Anwendung: Verschluss knicken und entfernen und gesamten Ansatz der Tube in die Scheide einführen. Danach Tube drücken und gleichzeitig herausziehen, um den Inhalt mit gleichbleibendem Druck in der Scheide zu verteilen.

Inhaltsstoffe: Glykogen, Milchsäure

Vorteilszeichen: Haken

Frei von Hormonen, Farb- und Duftstoffen

Vorteilszeichen: Haken

Muss nicht im Kühlschrank gelagert werden

Nachteilszeichen: Minus

Durch enthaltenes Glykogen Allergiepotenzial (aus Austern gewonnen)

Vagisan Milchsäurezäpfchen

Beschreibung: 7 oder 14 Vaginalzäpfchen zur Anwendung in der Scheide. Frei von Paraffin, Vaseline und anderen Fetten.

Anwendung: Zäpfchen aus dem Folienstreifen entnehmen, indem die beiden Folien an der Spitze des Zäpfchens auseinandergezogen werden. Dann Milchsäurezäpfchen möglichst tief in die Scheide einführen.

Bei Scheidentrockenheit sollte das Vaginalzäpfchen vor dem Einführen unter fließendem Wasser angefeuchtet werden.

Inhaltsstoffe: (S)-Milchsäure, Natrium-(S)-lactat Lösung, Milchsäure

Vorteilszeichen: Haken

Muss nicht im Kühlschrank gelagert werden, da keine wärmeempfindlichen Fettstoffe enthalten sind

Vorteilszeichen: Haken

Frei von Paraffin, Vaseline und anderen Fetten

Vagiflor Vaginalzäpfchen

Beschreibung: 6 oder 12 Vaginalzäpfchen zur Anwendung in der Scheide.

Anwendung: Eingepacktes Zäpfchen an der Perforation abtrennen.

Dann Folienblätter an den Zäpfchenspitzen auffächern und auseinanderziehen. Vaginalzäpfchen entnehmen und möglichst tief in die Scheide einführen.

Inhaltsstoffe: Lactobacillus acidophilus Kulturlyophilisat

Vorteilszeichen: Haken

Übliche Anwendungsdauer 6 Tage (im Gegensatz zu 7 Tagen)

Nachteilszeichen: Minus

Muss im Kühlschrank zwischen 2 und 8 °C gelagert werden (während den 6 Tagen Anwendung kann es ohne Wirkungsverlust bei Raumtemperatur gelagert werden)

Wann sind Milchsäurebakterien für die Scheide sinnvoll?

Es gibt verschiedene Gründe, wann eine Milchsäurekur für die Scheide sinnvoll sein kann:

Aufzählungszeichen

Vorbeugung von wiederkehrendem Scheidenpilz

Aufzählungszeichen

Bakterielle Vaginose

Aufzählungszeichen

Vorbeugung wiederkehrender Harnwegsinfekte

Aufzählungszeichen

Vorbeugung von Infektionen nach einer Antibiotika-Therapie

Aufzählungszeichen

Erhöhter pH-Wert der Scheide in der Schwangerschaft

Vorbeugung von Scheidenpilz

Nach der Menstruation kann für zwei bis drei Tage eine Dosis der Milchsäurekur angewendet werden. Das kann Infektionen vorbeugen.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Scheidenmilieu besonders gefährdet, da es durch die Monatsblutung trockener ist, als sonst.

Jedoch sollte eine Kur nicht direkt nach der Pilzinfektion durchgeführt werden! Durch die geschädigte und gereizte Vaginalschleimhaut kann es durch den Kontakt mit der Milchsäure zu einem Brennen kommen.

Wie man Scheidenpilz behandeln kann, erfahrt Ihr auf der Seite “Behandlung von Hautpilz”.

Bakterielle Vaginose

Wer an einer akuten bakteriellen Vaginose leidet, hat einen erhöhten pH-Wert der Scheide über 4,5.

Hier können Milchsäurebakterien den pH-Wert zurück auf sein natürlich saures Milieu von unter 4,5 bringen.

Dadurch wird auch der übermäßige und streng riechende Ausfluss bekämpft.

Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Wer an regelmäßigen Harnwegsinfektionen leidet, kann durch eine Milchsäurekur die natürliche Scheidenflora unterstützen.

Dadurch, dass das Milieu der Vagina im Gleichgewicht gehalten wird, ist das Risiko einer Übertragung von Erregern aus dem Darm, die über die Scheide in die Harnröhre gelangen können, vermindert.

Vorbeugung von Infektionen nach Antibiotikaeinnahme

Leider greifen Antibiotika nicht nur die schädlichen Bakterien an, sondern auch die guten.

Durch die Einnahme von Antibiotika kann sich neben der Darmflora auch die Scheidenflora verändern und so das natürliche Schutzsystem in der Scheide beeinträchtigt werden.

Um das zu verhindern, kann nach Ende der Antibiotika-Therapie eine Milchsäurekur zur Stärkung der Scheidenflora durchgeführt werden.

Dieses Vorgehen kennt man von der Darmsanierung, bei der der Darm nach einer Antibiotikagabe mit Darmbakterien wiederaufgebaut wird.

Wenn die Antibiotikabehandlung über einen längeren Zeitraum erfolgt, kann mit der Milchsäurekur auch während der Behandlung (nach 3 Tagen Antibiotikaeinnahme) begonnen werden.

pH-Regulierung während der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft verändern sich durch die Hormonumstellung viele Prozesse im Körper. So kann es auch zu einer Veränderung des pH-Wertes der Scheide kommen, die dadurch anfälliger für Infektionen ist.

Mit der Milchsäurekur, die in der Schwangerschaft geeignet ist, kann das Scheidenmilieu reguliert und unterstützt werden.

Eine Behandlung mit Milchsäure sollte während der Schwangerschaft immer mit dem behandelnden Frauenarzt abgesprochen werden.

Der pH-Wert der Scheide kann leicht von zu Hause aus mit speziellen pH-Einmal-Teststreifen überprüft werden.

Hinweis: In den Tagen kurz vor, während oder kurz nach der Periode und direkt nach dem Geschlechtsverkehr sind die Testergebnisse der pH-Stäbchen nicht aussagekräftig.

So wird eine Milchsäurekur richtig angewendet!

Normalerweise wird eine Kur an 7 aufeinanderfolgenden Tagen, am besten abends vor dem Schlafengehen, angewendet.

Dafür wird das Gel, die Kapsel, das Milchsäurezäpfchen oder die Tablette in Rückenlage mit angezogenen Beinen in die Scheide eingeführt. Nach den sieben Tagen Anwendung hat sich die natürliche Scheidenflora regeneriert und stabilisiert.

Wer wiederkehrende Infektionen der Scheide hat, kann die Milchsäurekur auch an zwei bis drei Tagen im Monat, bestenfalls nach der Periode, durchführen.

Die Präparate mit Milchsäure sind alle für eine regelmäßige Anwendung geeignet.

Hinweis: Bei Mädchen vor der Geschlechtsreife und während der Periode der Frau sollte die Milchsäurekur nicht angewendet werden.

Außerdem ist zu beachten, dass die Milchsäure die Reißfestigkeit von Kondomen beim Geschlechtsverkehr beeinträchtigen kann.

FAQ zur Milchsäurekur

Hier findet Ihr Antworten zu den häufigsten Fragen zur Milchsäurekur.

Wann macht man eine Milchsäurekur?

Eine Milchsäurekur macht man zum Aufbau oder zur Stärkung der Scheidenflora.

Auch in der Schwangerschaft kann eine Milchsäurekur sinnvoll sein, da es durch die Hormonumstellung häufig zu pH-Schwankungen in der Scheide kommt.

Wie oft darf man eine Milchsäurekur machen?

Normalerweise wird eine Milchsäurekur an sieben aufeinanderfolgenden Tagen angewendet. Nach dieser Behandlungswoche ist die Scheidenflora in der Regel wieder regeneriert.

Wer jedoch häufiger mit Infektionen der Scheide zu tun hat, kann die Milchsäurekur auch an zwei bis drei Tagen im Monat, am besten nach der Periode, durchführen.

Wie kann ich die Scheidenflora wieder aufbauen?

Tipps, um die Scheidenflora wiederaufzubauen:

  1. Milchsäurekur an sieben aufeinanderfolgenden Tagen anwenden
  2. Viel Wasser trinken
  3. Keine übertriebene Intimhygiene
  4. Zuckerhaltige Lebensmittel meiden
  5. Wenn möglich, künstliche Hormone zur Verhütung vermeiden

Warum brennt Milchsäure in der Scheide?

Milchsäure brennt in der Scheide, wenn die Schleimhaut durch eine Infektion angegriffen ist. Deshalb sollte eine Milchsäurekur nicht unmittelbar nach einer Scheidenpilzinfektion angewendet werden.

Die enthaltenen Milchsäurebakterien wirken reizend auf die geschädigte Vaginalschleimhaut und so kann es zu einem Brennen kommen. In diesem Fall helfen beruhigende, lipidhaltige Cremes.

Autorin: Melissa Sörgel
Autorin: Melissa Sörgel

Mein Name ist Melissa und ich bin seit 2016 approbierte Apothekerin.

Von 2011-2015 habe ich Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg studiert.

Danach habe ich mehrere Jahre in Apotheken gearbeitet und tausende Kunden beraten.

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Quellenverzeichnis: 

1. Dr. Beate Fessler, Auf den Ausfluss achten!, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2018/daz-15-2018/auf-den-ausfluss-achten

2. Elke Wolf, Milchsäure nicht in jedem Fall, https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-142015/milchsaeure-nicht-in-jedem-fall/

3. KadeFungin Milchsäurekur Gel Beipackzettel, https://www.kadefungin.de/wp-content/uploads/gi/kadefungin-milchsaeurekur-dr-kade.pdf

4. Lactofem Milchsäurekur Vaginalgel Beipackzettel, https://www.docmorris.de/medias/Lactofem/

5. Vagisan Zäpfchen Beipackzettel, https://www.vagisan.com/fileadmin/user_upload/vagisan.com/DE/Gebrauchsinformation_-_Vagisan_Milchsaeure.pdf

6. Vagiflor Vaginalzäpfchen Beipackzettel, https://vagiflor.de/wp-content/uploads/2019/08/Gebrauchsinformation_Vagiflor

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