Was tun bei einer Nagelbettentzündung?

Was tun bei einer Nagelbettentzündung?
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Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2021

Wie kann man eine Nagelbettentzündung behandeln?

Was kann man gegen den Schmerz unternehmen?

Kann man der Entzündung vorbeugen?

Hier erfahrt Ihr alles zu diesem Thema!

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Die bereitgestellten Informationen ersetzen nicht die professionelle Beratung und Behandlung durch einen Arzt und dürfen nicht zur eigenen Diagnose verwendet werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Eine Nagelbettentzündung (med.: Paronychie) ist eine Infektion des Nagelbettes, häufig verursacht durch Bakterien wie Staphylokokken. Sie ist meistens unangenehm und schmerzhaft. Das Nagelbett ist die Haut bzw. das Gewebe um und unter dem Nagel.

Eine Paronychie kann sowohl Finger als auch Zehen betreffen. Oftmals ist nicht nur das Nagelbett betroffen, sondern auch Nagelfalz und Nagelhaut.

Nagelbettentzündungen sind lästig, da der Schmerz bei Berührung der betroffenen Stelle stark zunimmt. Besonders schmerzhaft ist eine Nagelbettentzündung am Zeh, wenn zu enge Schuhe getragen werden. Aber auch an den Fingernägeln ist diese Krankheit sehr unangenehm.

Wie wird eine Nagelbettentzündung behandelt?

Im Anfangsstadium ist es möglich die Nagelbettentzündung am Finger oder Zeh zunächst selbst zu behandeln. Zum Beispiel können warme Bäder helfen.

Dazu wird der betroffene Nagel 3x täglich für ca. 15 Minuten in lauwarmem Wasser gebadet werden. 

Dem Wasser kann man beispielsweise Kamille oder Kernseife zusetzen, die entzündungshemmend wirken. Nach dem Baden sollte der Nagel und die umliegende Haut vorsichtig abgetrocknet werden.

Bei einer Nagelbettentzündung sind Salbenumschläge mit einer Zugsalbe (z.B. Ichtholan 50 % Salbe) eine Behandlungsoption. Der enthaltene Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat dieser Salbe hat eine schwach antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung.

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Eine Behandlung des Nagelbetts mit desinfizierenden, antibakteriellen Lösungen oder Salben ist eine weitere Möglichkeit.

Rivanol Lösung

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Betaisodona Salbe

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Wenn man die Entzündung des Nagelbetts mit einem Salbenverband behandelt, kann man den betroffenen Zeh oder Finger gleich so verbinden, dass er nicht mehr bewegt werden kann.

Je nach Ausmaß der Nagelbettentzündung kann sich der Arzt auch für eine innerliche medikamentöse Behandlung entscheiden.

Hier werden beispielsweise die Antibiotika Clindamycin, Cefuroxim oder Cefazolin verschrieben.

Liegt zusätzlich zur Entzündung eine Pilzinfektion vor, setzt der Arzt auf Antimykotika (pilzabtötende Mittel), z.B. in Form eines Nagellacks.

Diese Medikamente sind teilweise verschreibungspflichtig und es gibt sie zudem in Salbenform oder auch als Tabletten zum Einnehmen (Fluconazol oder Itraconazol).

Chirurgischer Eingriff bei schweren Verläufen

Wenn es sich um größere Eiterblasen am Nagelbett handelt, kann es nötig sein, dass der Arzt die infizierte Stelle aufschneiden muss, damit der Eiter abfließen kann. In manchen Fällen muss der Nagel entfernt werden.

Nach der Behandlung wird die entzündete Stelle mit einem desinfizierenden Salbenverband verbunden. Die Nachbehandlung erfolgt wieder in der Praxis.

Wenn die Nagelbettentzündung durch einen eingewachsenen Nagel entstanden ist, kann es vorkommen, dass der Arzt den Nagel operativ entfernt.

Besonders wenn der Knochen von der Paronychie angegriffen ist, können noch weitere chirurgische Maßnahmen nötig sein. 

Ursachen für eine Nagelbettentzündung

Die häufigsten Erreger für eine Paronychie am Zeh oder an den Fingern sind die Bakterienarten Staphylokokken oder Streptokokken. Die Infektion der Nägel kann aber auch durch Herpesviren oder Hefepilze verursacht werden.

Ähnlich wie bei der häufigen Erkrankung Nagelpilz können die Erreger nicht eindringen, solange die Haut und das umliegende Gewebe gesund sind.

Nagelmykose am großen Zeh im Endstadium, bei dem ein großer Teil des Nagels schon abgebröckelt ist.
Onychomykose im Endstadium am großen Zeh. (Quelle: deepspacedave – stock.adobe.com)

Ist eine Nagelpilzerkrankung schon fortgeschritten, ist das Nagelbett anfällig für eine Entzündung, deshalb ist eine frühzeitige Behandlung der Pilzinfektion sinnvoll (mehr dazu hier).

Wenn kleine Wunden in der Nagelhaut, am Nagelfalz oder dem Nagelwall entstehen, ist eine Infektion möglich. An dem betroffenen Gewebe können die Bakterien leicht eindringen und sich festsetzen, dadurch kommt es zu Entzündungen.

Es existieren zahlreiche Risikofaktoren, die zu kleinen Verletzungen und Reizungen des Gewebes führen können.

Häufig entsteht eine Nagelbettentzündung durch einen eingewachsenen Nagel oder auch durch eine fehlerhafte Nagelpflege.

Weitere Risikofaktoren für eine Infektion:

Künstliche Nägel

Zu enge Schuhe

Intensive Reizung der Haut (durch z.B. Putz- oder Reinigungsmittel)

Diabetes

Neurodermitis

Durchblutungsstörungen

Geschwächtes Immunsystem

Wenn man diesen Risikofaktoren ausgesetzt ist, ist die Wahrscheinlichkeit an einer Infektion des Nagelbetts zu leiden erhöht.

Nagelbettentzündung am Zeh oder an den Fingern: Symptome

Die Symptome der Nagelbettentzündung sind vielfältig. Zuerst ist eine äußerliche Veränderung im Bereich des Nagels erkennbar.

Die Haut ist gerötet und der infizierte Bereich ist angeschwollen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt ist ein Schmerz spürbar.

Nagelbettentzündung des großen Zehs.
Auf diesem Bild erkennt man die entzündete Nagelfalz am großen Zeh. (Quelle: TG23 - istockphoto.com)

Der Schmerz wird oft als pochend und stechend beschrieben. Die infizierte Stelle fühlt sich häufig heiß an. Bei einer Nagelbettentzündung am Zeh kann das Tragen von Schuhen bereits zu Schmerzen führen.

Liegt die Nagelbettentzündung am Finger vor, ist im Alltag besondere Vorsicht geboten, da man die betroffene Stelle oftmals unbeabsichtigt berührt und somit Schmerzen hervorruft.

Nach ein paar Tagen kann es auch zur Bildung von Eiter kommen, der dann besonders für einen Druckschmerz verantwortlich ist. Zusätzlich können Beschwerden wie Fieber und Unwohlsein auftreten.

Selbst den Eiter ausdrücken zu wollen ist auf keinen Fall ratsam, da es zu weiteren Komplikationen führen kann.

Wenn der Eiter in tieferen Hautschichten sitzt und man versucht ihn auszudrücken, kann er noch tiefer in die Gewebeschichten der betroffenen Stellen hineingedrückt werden.

Dadurch kann es kann im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Je nachdem, wie weit sich die Entzündung ausbreitet, kann es sogar zum Verlust des Nagels kommen (seht Euch diesen Artikel an: Zehnagel löst sich). Bei chronischen Verläufen tritt die Inflammation oft an mehreren Nägeln gleichzeitig auf.

Einteilung der Paronychie

Bei einer Dauer von höchstens 6 Wochen handelt es sich um eine akute Paronychie, was gewöhnlich der Fall ist.

Alles, was länger dauert, wird als chronische Paronychie bezeichnet. Beide Arten der Nagelbettentzündung sind sehr schmerzhaft.1

Zudem kann man eine Nagelbettentzündung nach der Ursache einteilen:

  • Infektiös (durch Bakterien, Pilze, Herpesviren)
  • Medikamentös (z.B. Chemotherapie)
  • Durch Systemerkrankung (z.B. bei Patienten mit Schuppenflechte)
  • Traumatisch (z.B. eingewachsener Nagel)
  • Kontaktallergisch
  • Durch Tumorbildung

Nagelgeschwür (Panaritium)

Eine Nagelbettentzündung kann sich auf benachbarte Strukturen ausbreiten und so kann es zu einem Panaritium (Nagelgeschwür) kommen.2

Davon können sowohl die Finger als auch die Zehen betroffen sein.

Symptome hierbei sind oftmals stechende, pulsierende Schmerzen mit Hitzegefühl und die Funktion bzw. Beweglichkeit sind oft eingeschränkt.

Durch die Entzündung kommt es zur Eiterbildung und eine Eiterblase wird sichtbar. Im weiteren Verlauf kann es zu Fieber und Schüttelfrost kommen und die benachbarten Lymphknoten können anschwellen, eine Blutvergiftung ist ebenfalls möglich.3 

Hausmittel bei Nagelbettentzündung

Hausmittel werden bei der Behandlung von Entzündungen eingesetzt.
Hausmittel können die Entzündung lindern. (Quelle: PhotoSG – stock.adobe.com)

Die Liste der Hausmittel gegen Entzündungen des Nagelbetts ist lang. Doch helfen diese auch wirklich? Viele Leute verwenden Kamille, Arnika, Salz oder auch Wirsing. Etliche Hausmittel haben entzündungshemmende Eigenschaften.

Die Mittel werden meist in Wasser gegeben und anschließend wird ein Fußbad genommen. Alternativ ist natürlich auch ein Bad der Hände möglich, um die Infektion zu behandeln.

Um die Wundheilung zu beschleunigen, sollte die betroffene Region ruhig gestellt und wenn möglich hochgelagert werden. Außerdem sollte man Risikofaktoren vermeiden.

Wann soll man einen Arzt aufsuchen?

Es muss nicht jeder bei Paronychie sofort vom Arzt behandelt werden. Oft hat man nur eine kleinere Verletzung und Entzündung, die von selbst wieder abheilt.

In der Regel sollte man nach 3 Tagen einen Arzt aufsuchen, wenn keine Besserung der Infektion aufgetreten ist. Auch wenn sich die Symptome schnell verschlechtern ist ein Besuch beim Mediziner sinnvoll, um abzuklären, ob es sich um eine Nagelbettentzündung handelt.

Menschen mit chronischen Erkrankungen (Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, geschwächtes Immunsystem) sollten sofort einen Arzt zurate ziehen.

Zu welchem Arzt sollte man bei einer Nagelbettentzündung gehen?

Wie auch bei Nagelpilz hilft bei einer Paronychie der Hausarzt, oder gleich der Dermatologe (Hautarzt).

Meistens erfolgt eine einfache Blickdiagnose, indem sich der Arzt den Nagel und die Haut genauer ansieht. Der Patient wird nach möglichen Ursachen befragt.

Danach wird womöglich ein Abstrich gemacht, um herauszufinden, ob es sich bei der Nagelbettentzündung um einen mikrobiellen Erreger handelt. Nach ein paar Tagen kommt das Ergebnis mit der genauen Ursache der Entzündung.

Bei chronischem Verlauf kann der Arzt auch einen Blut- und Urintest veranlassen und den Patienten über berufliche Tätigkeiten und Lebensgewohnheiten befragen.

Vorbeugung einer Nagelbettentzündung

Hände durch Handschuhe vor Chemikalien oder Verletzungen schützen (Spülen, Putzen, Gartenarbeit etc.)

Maniküre / Pediküre vorsichtig durchführen

Kosmetischen Nagellack vermeiden

Weite, bequeme Schuhe tragen

Hände und Füße trocken halten und vor Kälte schützen

Regelmäßiges Eincremen der Haut an Händen und Füßen mit geeigneten Pflegecremes (am besten rückfettend)

Werden diese Tipps befolgt, kann das Risiko einer Nagelbettentzündung verringert werden.

Die richtige Nagelpflege macht den Unterschied!

Person schneidet sich die Fingernägel. Bei der Nagelpflege ist Vorsicht geboten.
Häufig wird bei fehlerhafter Nagelpflege der Nagel verletzt. (Quelle: Monet – stock.adobe.com)

Mit einer korrekten Nagelpflege kann man einer Infektion und Nagelbettentzündungen vorbeugen. Finger- und Zehennägel sollten regelmäßig kurz geschnitten werden (aber Vorsicht auf den Nagelwall und die Nagelhaut).

Die Fingernägel können dabei rund abgefeilt werden, wohingegen bei den Fußnägeln nur die scharfen Kanten gefeilt werden sollten, damit dadurch keine Verletzungen am Nagelbett entstehen. Diese könnten eine Entzündung begünstigen!

Die richtige Pflege der Nagelhaut ist wichtig. Diese sollte höchstens mit einem stumpfen Schieber vorsichtig zurückgeschoben werden. Wichtig dabei ist, dass die Haut nicht zu trocken ist und dadurch reißt. Dafür kann man sie regelmäßig mit pflegenden Cremes oder Ölen behandeln.

Menschen mit Diabetes haben ein vermindertes Empfinden in den Füßen und bemerken es nicht, wenn sie ihre Nägel und die umliegende Haut verletzen.

Daher ist hier besondere Vorsicht geboten. In diesem Fall ist eine medizinische Fußpflege empfehlenswert.

Solange die Nagelbettentzündung noch nicht abgeheilt ist, sollte die Nagelhaut nicht zurückgeschoben und auf kosmetische Lacke verzichtet werden.

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Autorin: Melissa Sörgel
Autorin: Melissa Sörgel

Mein Name ist Melissa und ich bin seit 2016 approbierte Apothekerin.

Von 2011-2015 habe ich Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg studiert.

Danach habe ich mehrere Jahre in Apotheken gearbeitet und tausende Kunden beraten.

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Quellenverzeichnis: 

1. Dr. med. Peter Altmayer, Paronychie, https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/dermatologie/paronychie-akute-2919↩

2. Frank Antwerpes, Dr. Norbert Ostendorf, Paronychie, https://flexikon.doccheck.com/de/Paronychie↩

3. Astrid Högemann, Bijan Fink, Dr. Ali Asgarov, Panaritium, https://flexikon.doccheck.com/de/Panaritium↩

4. Chris G. Adigun, Akute Paronychie, https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/erkrankungen-der-haut/nagelerkrankungen/akute-paronychie↩


Pflichtangaben:

Betaisodona Salbe
Wirkstoff: Povidon-Iod.
Anwendungsgebiete: Betaisodona Salbe wird wiederholt zeitlich begrenzt angewendet als Antiseptikum bei geschädigter Haut, wie z.B. Dekubitus (Druckgeschwür), Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür), oberflächlichen Wunden und Verbrennungen, infizierten und superinfizierten Hauterkrankungen.
Warnhinweis: Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Ichtholan 50 % Salbe
Wirkstoff: Ammoniumbituminosulfonat (Ichthyol).
Anwendungsgebiete: wird zur Reifung von Furunkeln und abszedierenden Prozessen und zur unterstützenden Behandlung bei Gonarthrose sowie bei Prellung und Verstauchung angewendet.

Rivanol Lösung 0,1%
Wirkstoff: Ethacridinlactat-Monohydrat.
Anwendungsgebiete: Zur lokalen Anwendung als Antiseptikum.

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