Nagelpilz bei Kindern behandeln

Nagelpilz Kind: Vier Kinder in Flip Flops, bei denen nur die Beine zu sehen sind.
Nagelpilz bei Kindern sollte nicht unterschätzt werden. (Quelle: Praktikant1234 - pixabay.com)

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2020

Wie erkenne ich Nagelpilz bei meinem Kind?

Darf ich es ohne ärztliche Absprache behandeln?

Wenn das eigene Kind einen weiß oder gelblich verfärbten Nagel hat, der sich vielleicht schon verdickt und anders aussieht als die restlichen Nägel, könnte es sich um Nagelpilz handeln. Der ansteckende Pilz breitet sich langsam im Nagelgewebe aus und zerstört den betroffenen Nagel.

Im Normalfall kann ein Körper mit intaktem Immunsystem den Erreger von Nagelpilz abwehren.

Manchmal treten die Pilze unter bestimmten Bedingungen doch in die Haut ein und setzen sich fest. So können sie nicht nur Nagelpilz verursachen, sondern auch zu Fußpilz führen.

Können Kinder auch an Nagelpilz erkranken?

Inhaltsverzeichnis

Nicht nur einen Erwachsenen kann Nagelpilz treffen. Der Pilzerreger kann auch Kinder befallen und sich auf den kleinen Nägeln ausbreiten. Nagelmykosen bei Kindern sollten nicht unterschätzt werden. Die Behandlung sollte genauso wie bei Erwachsenen schnellstmöglich erfolgen.

Ursachen und Risikofaktoren für Nagelpilz bei Kindern

Die Infektion Nagelpilz, medizinisch auch Nagelmykose oder Onychomykose genannt, ist eine ansteckende Erkrankung mit einem Pilz. Oft sind Fadenpilze (med.: Dermatophyten) für die Krankheit verantwortlich, seltener auch Hefe- oder Schimmelpilze.

Durch eine Schmierinfektion an infizierten Hautschuppen am Boden, oder durch direkten Kontakt mit erkrankten Menschen, können sich die Pilze verbreiten.

Wer nicht aufpasst, steckt sich oft barfuß an Orten, wie zum Beispiel im Hotel oder der Sauna an.

Zu den Risikofaktoren zählen:

Kinder können sich leicht in öffentlichen Einrichtungen wie dem Schwimmbad oder der Umkleidekabine beim Sport mit Nagelpilz anstecken. Dort herrschen oft die perfekten Bedingungen für das Pilzwachstum.

Der Nagelpilzerreger bevorzugt Feuchtigkeit und Wärme bevorzugt für sein Wachstum. Daher sollten die Kleinen nie ohne Badeschuhe laufen, um das Risiko zu minimieren.

Neben den öffentlichen Orten können sich Kinder auch zu Hause infizieren. Wenn bereits ein Familienmitglied an Nagelpilz erkrankt ist und daheim ohne Schuhe und Socken läuft, verteilt es die mit dem Erreger behafteten Hautschuppen.

Der Boden im eigenen Bad ist das größte Risiko, da der feuchte Untergrund gute Überlebensbedingungen für den Pilz bietet.

Vor allem das Alter der Kleinkinder birgt durch die Neugier und das Erkunden ein Risiko. Wenn die Kleinen die Schuhe der Erwachsenen anprobieren und darin Nagelpilz lauert, ist er schnell übertragen.

Auch bei den Großeltern kann sich das Kind leicht anstecken. Ältere Menschen sind durch eine schlechtere Durchblutung häufiger von Nagelpilz betroffen.

Viele Großeltern leiden daran und verteilen den Erreger in den eigenen vier Wänden. Wenn dann die Enkel zu Besuch kommen, lässt eine Ansteckung mit Nagelpilz nicht lange auf sich warten.

Großeltern machen einen Spaziergang im Wald, im Hintergrund sind Kühe zu sehen.
Die Großeltern haben durch ihr Alter ein erhöhtes Risiko an Nagelpilz zu erkranken. (Quelle: Susanne Pälmer - pixabay.com)

Ebenso kann ein unbehandelter Fußpilz mit der Zeit ebenfalls zu Nagelpilz führen. Deshalb sollte Fußpilz bei den ersten Anzeichen sofort behandelt werden.

Alle weiteren Informationen zur Therapie von Fußpilz findet ihr auf einer separaten Seite.

Wenn die Kinder oft Sport treiben und viel in festen Turnschuhen rennen und schwitzen, geben sie dem Pilz ebenfalls eine gute Gelegenheit sich festzusetzen.

Beim Tanzen, Tennis oder Fußball werden die Füße enorm belastet. Durch Mikroverletzungen an der Haut der Zehen dringt der Nagelpilz in die oberen Hautschichten ein und breitet sich langsam aus.

Ein weiterer Risikofaktor ist ein schwaches Immunsystem. Wenn Kinder ein geschwächtes Immunsystem besitzen oder von Erkrankungen wie Diabetes mellitus betroffen sind, ist eine Ansteckung an Nagelpilz leichter möglich.

Daher spielt die Gesundheit eine große Rolle bei der Vorbeugung von Krankheiten wie Nagelpilz.

Unbehandelt kann sich der Pilz auf den ganzen Körper ausbreiten. Er befällt nicht nur weitere Nägel, sondern kann zum Fuß, den Händen sowie auch zur Haut auf dem Kopf wandern und eine Hautpilzinfektion hervorrufen.

Nagelpilz bei Kindern, Kleinkindern und Babys behandeln

Die Behandlungsart eines Kindes mit Nagelpilz hängt immer von der Art und dem Ausmaß der Erkrankung ab.

Ganz wichtig ist, so schnell wie möglich zum Kinderarzt zu gehen. Sowohl Nagelpilz bei Kindern als auch bei Kleinkindern und Babys ist kein Fall für die Selbstmedikation.

Nachdem Nagelpilz bei Kindern nicht nur ein kosmetisches Problem der Nägel darstellt, sondern sich mit der Zeit ausbreitet, muss er immer behandelt werden.

Es gibt diverse antimykotische, das bedeutet den Pilz abtötende, Medikamente in der Apotheke zur äußerlichen Anwendung.

Neben den verschreibungsfreien Mitteln für die äußerliche Anwendung der Nägel gibt es noch die innerliche Therapie mit Tabletten oder Kapseln.

Wenn die Infektion schon sehr weit fortgeschritten ist, bleibt den Ärzten meist nichts anderes übrig, als dem Kind oder Kleinkind zusätzlich Tabletten zu verschreiben.

Die Kombinationstherapie bringt in schwereren Fällen meistens den Erfolg.

Behandlungsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose und wählt dann die passende Behandlung.

Wenn der Kinderarzt entscheidet, dass die Eltern das Kind selbst behandeln können, ist eine Selbstmedikation von zu Hause aus möglich.

Der erste Schritt ist nur notwendig, wenn sich der Nagel bei den Kindern bereits verdickt hat. In diesem Fall eignet sich die Harnstoffcreme aus dem Canesten Extra Nagelset.

Durch den Harnstoff wird nur der erkrankte Teil des Nagels aufgeweicht und kann danach abgetragen werden. Im Normalfall dauert dieser Schritt ungefähr zwei Wochen.

Wenn der Zehennagel vom Pilz zersetzt wurde und nicht verhornt ist, muss keine überschüssige Nagelmasse entfernt werden.

Dann fällt Schritt 1 weg und die Behandlung kann mit dem zweiten Schritt begonnen werden.

Beim zweiten Schritt müssen die Nägel täglich und regelmäßig mit pilzabtötenden Mitteln behandelt werden. Bei Kindern empfiehlt sich eine antimykotische Creme, wie z.B. die Canesten Extra Creme.

Es muss darauf geachtet werden, dass die Creme auf keinen Fall in den Mund des Kindes gelangt.

Die Dauer der Anwendung beträgt bei Kindern, wie bei Erwachsenen, 4 Wochen. Pilzabtötende Nagellacke sind für Kinder, Kleinkinder und Babys nicht zugelassen.

Der dritte Schritt einer Behandlung erfolgt erst, wenn die Nagelpilzinfektion zu weit fortgeschritten ist und eine äußerliche Therapie nicht zum Erfolg führt.

Da viele Tabletten nicht für Kinder zugelassen sind, muss der Kinderarzt nach einer Nutzen-Risiko-Analyse entscheiden.

Nagelpilz beim Baby wird mit denselben Mitteln behandelt wie bei Kindern und Kleinkindern.

Die Behandlung muss unbedingt von einem Arzt beaufsichtigt werden, der auch bei weiteren Fragen zurate gezogen werden kann. Auch können weitere Informationen der Packungsbeilage entnommen werden.

Nagelpilz: Kinder schützen mit einfachen Tipps

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, gibt es ein paar Tipps, die gut im Alltag umgesetzt werden können. So kann man die Kleinen vor einer Nagelpilzinfektion und vor allem vor der langwierigen Behandlung der Nägel schützen.

Die Informationen zu den Arzneimitteln sind sorgfältig recherchiert und aus den jeweiligen Fachinformationen entnommen. Es wird keine Haftung für Fehler der externen Quellen übernommen.

Autorin: Apothekerin Melissa Sörgel
Autorin: Apothekerin Melissa Sörgel

Mein Name ist Melissa und ich bin seit 2016 approbierte Apothekerin.

Von 2011-2015 habe ich Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg studiert.

Danach habe ich mehrere Jahre in Apotheken gearbeitet und tausende Kunden beraten.

Meine Erfahrungen möchte ich gerne mit Euch teilen.

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Quellenverzeichnis:

1. Arzneimittelinformationen für Deutschland, https://www.fachinfo.de/

2. Subuhi Kaul, Savita Yadav, Sunil Dogra, Treatment of Dermatophytosis in Elderly, Children, and Pregnant Women, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28979861/